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Martina & Peter


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"Wonder" is the seed of knowledge.
[Francis Bacon]

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WASHINGTON COLUMN THE PROW

 

Martina und Peter klettern im
September 2008

"The Prow"


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VIDEO

 

 
Washington Column:  Die Prow verläuft rechts von der Kante!
Schwierigkeit: V5.6C3F
Fahrt in den Yosemite Nationalpark Shopping
Merced River und Leaning Tower (Bildmitte) leuchten im Abendrot "Valleyhirsch"
Zustieg zur Prow mit schwerer Last Peter mit Haulbag und Portaledge
Start um 8.00 Uhr am Abend Peter klettert die erste Seillänge in der Finsternis

Martina am Stand Peter sortiert das Material am Gurt
Herrliche Kletterei im steilen Fels, luftig und ausgesetzt! Die enorme Hitze macht uns zu schaffen!
Martina beim "Cleanen" im steilsten Wandteil Peter kocht in der Portaledge eine Suppe mit einem Spezialkocher
Martina beim Yoga in der Portaledge (= Alubett) Gewaltige Tiefblicke
2 harte Tage in der Wand bei Hitze und viel Durst! Martina mit unserem "Hauli"
Peter in der 2. Seillänge (C3) Martina jümmart am Fixseil nach und entfernt die Zwischenhacken
Der Haulbag muss mit einem Flaschenzug nachgezogen werden Peter im steilen Wandteil (Headwall)
Im oberen Wandteil Martina nach 2 Tagen am Gipfel
Peter und Martina on Top! Im Hintergrund der El Capitan
Abschlussessen im Casino in Carson City (Nevada) Es gibt frische Meeresfrüchte aus Alaska
 

Peter gewinnt die Reisekosten zurück!

 

The Prow Story

„The Prow“ am Washington Column im Yosemite Valley ist einem Schiffsbug sehr ähnlich. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Erstbegeher Royal Robins diese schöne Line durch eine gewaltige Plattenflucht so getauft hat. Die Headwall im Mittelteil wird von einem sehr dünnen Riss durchzogen und ist leicht überhängend. Wir planen für die Tour 2 Tage, rechnet man den Abstieg dazu, so werden es 3 Tage sein.  Martina kümmert sich um unser Essen und um das nötige Wasser in der Wand. Ich sortiere und lege das Material zusammen und es dauert nicht lange, bis der Haulbag fertig gepackt vor uns steht. Spät am Nachmittag beginnen wir unsere Ausrüstung zum Wandfuß zu schleppen. Martina trägt das schwerere Gepäck von uns beiden. Sie ist stark motiviert und will mich für die kommenden Tage schonen. Viele lästige Mücken fliegen uns pausenlos in die Augen, während wir den steilen Weg empor zum Einstieg gehen. Dort angelangt erleben wir eine sehr positive Überraschung! Die Wand ist menschenleer und wir nutzen die Gunst der Stunde und beginnen sofort die erste Seillänge zu fixieren! Wer zuerst kommt, der klettert auch zuerst, das ist ein ungeschriebenes Gesetz im Yosemite Valley! Knapp vor Mitternacht stehe ich wieder am Wandfuß und das Seil hängt 60 Meter von oben herab. Das Klettern in der Dunkelheit war sehr angenehm. Im Lichtschein meiner Stirnlampe legte ich Keil um Keil und arbeitete ich mich höher. Lediglich ein Uhu beobachtete Martina beim Sichern. Leider wurde er unabsichtlich von ihrem Stirnlampenlicht geblendet, er dürfte wohl den Rest der Nacht blind verbracht haben. Nun geht der Mond auf und es wird richtig hell. Morgen ist Vollmond! Wir schlafen am Wandfuß. Nach einigen Stunden weckt mich Martina. „Peter, da ist jemand in unserem Haulbag“ sagt sie zu mir. Ich gebe dem Sack einen Fußtritt, plötzlich springt ein Tier heraus und verschwindet sehr rasch in der mondhellen Nacht. Nach diesem Schreck schlafen wir etwas unruhig weiter, bis uns der Wecker um halb sechs Uhr morgens dann endgültig aus dem Daunenschlafsack holt. Wir kochen einen Haferflockenbrei und trinken Tee. Während ich am fixierten Seil mit meinen Steigklemmen hochsteige, wird es hell. Martina folgt mir und wir ziehen den Haulbag samt Portaledge auf den ersten Stand. Die nächste Seillänge ist „C3“ und ich muss einige Copperheads benutzen. Unter einem kleinen Dach ist Stand. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen und erhitzt schön langsam die Wand und natürlich auch unseren Körper. Wir wissen, dass wir von nun an die nächsten 6 Stunden der prallen kalifornischen Hitze ausgeliefert sind und bewegen uns deshalb dementsprechend ökonomisch und langsam. Unsere Wasservorräte sind  knapp bemessen und wir müssen sparsam damit umgehen. Einfach „lossaufen“ geht da nicht. Uns wird dabei immer wieder bewußt, wie unbedenklich und sorglos man im Tal den Wasserhahn aufdreht und das kostbare Nass verpritschelt und oft sinnlos vergeudet!            
Wir schaffen es am heutigen Tag lediglich bis zum fünften Standplatz. Mehr war nicht drinnen.  Die Route hat elf Seillängen, da heißt es morgen ordentlich Gas geben. Ich hoffe, dass zumindest die Ausstiegsseillängen etwas leichter werden, damit wir schneller sind. Wir bauen unsere Portaledge zusammen. Mittlerweile sind wir schon so gut in Übung, dass der Zusammenbau relativ rasch geht. Wir hängen in unseren Klettergurten mitten in der steilen und glatten Wand. Es gibt nicht einmal ansatzweise eine schmale Leiste, wo wir unsere Füße abstützen können. Wir drehen und wenden das Bett hin und her und spannen dabei ein reißfestes Material über einen Alurahmen. Endlich ein ebener Platz zum Sitzen! Wir nehmen sämtliche Ausrüstung von den Gurten, damit wir später ungestört liegen und schlafen können. Der Tiefblick ist gewaltig und die Ausgesetztheit würde einen Nichtkletterer wahrscheinlich ordentlich erschrecken lassen. Für uns ist es kein Problem, obwohl ich immer wieder erstaunt bin, in welcher luftigen Steilheit wir uns da bewegen. Weit unten sehen wir das „Curry Village“ im Yosemite Valley und alle Häuser haben bereits das Licht aufgedreht. Die Nacht bricht herein und ich betätige den Piezoanzünder bei unserem Kocher. Ein tolles Gerät mit maximaler Brennleistung und einer modernen Aufhängevorrichtung! Bald siedet das Wasser und wir kochen Suppe, Tee und Brei. Martina schreibt ihr Tagebuch und ich genieße den Mondaufgang hinter dem Half Dome. Morgen wird ein anstrengender Tag, der uns alles abverlangen wird! Mehr als wir zu diesem Zeitpunkt ahnen! 5 Uhr am Morgen: aufstehen, knappe Morgentoilette, kochen, frühstücken und fertigmachen zum Weiterklettern, das alles auf 1,75 Quadratmeter. Knappe 2 Stunden später bin ich wieder unterwegs. Martina sichert mich. Ich klettere einen feinen Riss empor und lege verschiedene Keile und Spezialklemmgeräte zur Fortbewegung. Immer wieder klippe ich die Leiter in die nächste Verankerung und belaste sie vorsichtig. Nach einigen Wippen steige ich kompromisslos hoch. Entweder es hält oder es hält nicht! Nach 135 Fuß (das typische amerikanische Maß) erreiche ich den Standplatz, ohne Sturz, Gott sei Dank! Martina ist weit unter mir! Sie löst den Haulbag, der in die Luft hinaus schwingt und sofort wieder, wie ein Pendel, fast bis zum Stand zurückkehrt. Nun beginnt ihr Part, sie muss sämtliche Hacken und Keile, die ich im Riss belassen habe, wieder mühevoll herausarbeiten und mitnehmen. Oft höre ich sie fluchen und kurze Zeit später geht ihr das Cleanen dann plötzlich wieder leichter von der Hand! Die Sonne ist zurückgekehrt und heizt uns wieder kräftig ein. Wir genehmigen uns immer nur ganz kleine Schlückchen Wasser, obwohl wir eine ganze Gallone austrinken könnten! Ich  kann vor lauter Mundtrockenheit kaum mehr reden und Martina tut sich oft schwer, mich zu verstehen. Die nächsten 2 Seillängen müssen wir noch überstehen und dann kommt endlich der langersehnte Schatten.

 

 

Im Topo steht „C1“ und das bedeutet nicht sehr schwer! Ich bin in diesem Fall aber anderer Meinung. Ein schmaler Riss, der oft über mehrere Meter geschlossen ist, zwingt mich ganz schön zum Tricksen. Nicht ungefährlich, diese Seillänge. Ich brauch mehr Zeit als erwartet und es kostet mich einiges an Energie diese Stellen zu bewältigen. Zu guter Letzt darf man als Belohnung dann auch noch den Haulbag hochziehen und als Draufgabe dabei noch einige Kniebeugen machen, damit man den Sack mittels Körperflaschenzug überhaupt herauf bewegen kann. So ist das eben beim „Bigwallen“! Man kann nicht einfach aufhören, nur weil man keine Lust mehr hat, oder weil man glaubt, keine Kraft mehr zu haben. Es kommen enorme psychische und physische Belastungen zustande, mit denen man in jeder Lage und zu jeder Zeit in der Wand fertig werden muss. Ein „nach Hause gehen“ gibt es in solchen Momenten nicht! Die meisten Leute in einem Fitnesscenter hätten unter diesen Bedingungen und Belastungen ihre Hanteln wahrscheinlich schon lange abgelegt! Dazu kommt der Flüssigkeitsmangel, der einem das Blut in den Adern eindicken lässt und den Denkprozess sowie die Reaktionsfähigkeit vermindert. Es ist immer wieder interessant, wie der Körper auf solche Situationen reagiert. Die Steilheit, die Ausgesetztheit, die Hitze und die Anstrengung machen einem das Leben zur Hölle, Fehler sind trotz alledem nicht erlaubt!  Der Schatten bringt Erleichterung und ich klettere die neunte Seillänge. Ich kann diese 50 Meter relativ rasch bewerkstelligen und komme zu einem Felsband, bei dem auch der Standplatz ist. Ich fixiere das Seil und funke zu Martina, dass sie nachkommen kann. Noch 2 Seillängen und wir haben es geschafft. Ich trinke immer wieder kleine Mengen Elektrolytgetränk, damit der Körper das noch überstehen kann. Es wird finster und wir montieren die Stirnlampen auf unsere Helme. Ein letzter, steiler und handbreiter Riss ist noch zu bewältigen. Danach wird es zwar leichter, doch das erweist sich trügerisch! Im leichten Gelände lauern andere Gefahren! Viele kleine Steine und Sand verwandeln das ganze in ein Kugellagerfeld, ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht ausrutsche. Die Orientierung mit der Stirnlampe wird ebenfalls zu einem Problem. Es gibt so viele Möglichkeiten, der Weg ist hier nicht mehr klar vorgezeichnet. Man trachtet verständlicherweise immer danach, den ungefährlichsten Weg zu finden und das ist keineswegs einfach. Endlich erreiche ich das Gipfelplateau und finde auch gleich einen Baum, wo ich uns sichern kann. Martina ist noch in der Wand, es ist stockdunkel, doch bald wird wieder der Mond hinter dem Half Dome zum Vorschein kommen. Ich habe keinen Funkkontakt mehr und muss zurück zur Felskante. Dort verständige ich Martina, dass sie den Haulbag losbinden kann. Ich versuche ihn hochzuziehen, doch das ist in diesem gestuften Gelände nicht möglich. Das Haulbagseil geht um mehrere Ecken und lässt sich keinen Zentimeter bewegen. Wütend baue ich einen Flaschenzug auf und beginne erneut zu ziehen. Der Haulbag bewegt sich nur wenige Millimeter nach oben. Martina versucht unterdessen in der Wand unseren Sack mit den Händen hoch zu heben, was ihr nur mit größter Anstrengung gelingt. Ich ziehe wie verrückt am Seil bis es sich wenige Zentimeter bewegt. Mein Puls rast dabei in nicht mehr zählbare Höhen. Diese Ausstiegsseillänge verlangt uns noch einmal alles ab. Ich glaube jeden Moment tot umzufallen. Der Körper leistet noch einmal alles. Es dauert über eine halbe Stunde, bis endlich das Stirnlampenlicht von Martina über die Felskante hervorleuchtet. Auf allen Vieren krabbelt sie mir entgegen. Wir fallen uns in die Arme und dann miteinander auf den Boden. Dort bleiben wir völlig erschöpft einige Minuten regungslos liegen. Als sich mein Puls beruhigt hat, öffne ich die Augen. Erst jetzt sehe ich, dass der Mond gekommen ist und alles hell erleuchtet. Die Steine, die Sträucher und Bäume, die Berge rund um uns herum und das ganze Yosemite Valley glänzen im Mondlicht. Über 16 Stunden sind wir nun schon auf den Beinen, es ist halb zehn Uhr am Abend. Wir teilen das letzte Wasser auf und geben noch einen halben Liter für den morgigen Abstieg zur Seite! Anschließend kochen wir uns eine Suppe. Durstig legen wir uns in die Schlafsäcke und besprechen den Abstieg. Wir beschließen, dass wir fast das ganze Gepäck und Material hier am Gipfel zurücklassen werden und es dann einen Tag später, ausgerastet und gestärkt, holen. Wir kannten den Abstiegsweg zu wenig genau, um mit so schweren Säcken den sehr gefährlichen Steig hinunterzugehen. Wir waren erschöpft und durstig, deshalb wollten wir auf keinen Fall etwas riskieren. Es erscheint uns eine vernünftige Lösung zu sein und genau das sollte sich auch am nächsten Tag bestätigen. Ich schlafe bis mich irgendwann in der Nacht ein lautes Rascheln aufweckt. Ein kleiner Nager versucht den Lebensmittelsack zu klauen, den ich als Kopfpolster benutze. Ich erschrecke und verjage das Tier mit einem lauten Schrei, ohne es jemals wirklich gesehen zu haben. Am Morgen sortieren wir die Ausrüstung und machen uns auf den Weg in das Tal. Der Abstieg ist schwer zu finden und verläuft sehr gefährlich ganz nah an einem steilen Abbruch. Wir legen Steinmänner, damit wir uns dann beim Gepäckholen leichter orientieren können. Drei Stunden Später erreichen wir mit dem letzten Tropfen Wasser unser Auto. Ich nehme die Campingsessel heraus und greife in die Kühlbox um ein Bier. Es zischt und ich genieße diesen Gerstensaft mit unzähligen kleinen Schlucken so lange, bis die Dose fast leer ist. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl! Martina sagt: „Der Durst ist schlimmer als Heimweh, das würde ich sofort unterschreiben“! Wie recht sie hat!
 

              Ende eines 40er Ausfluges!

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