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Martina & Peter


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EL CAPITAN


THE NOSE

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Yosemite Valley

Kalifornien - USA

22 bis 25 Juni 2004

Martina und Peter did the Nose

    

Es ist 5.00 Uhr morgens, als der Wecker uns aus dem Schlaf reißt. Wir kriechen aus dem Zelt und es ist bereits so hell, dass wir ohne Stirnlampe unser Frühstück kochen können. Heute ist jener Tag, an dem wir in die Wand einsteigen werden. 4 Tage lang werden wir dort verbringen und erst am 5 Tag wieder hierher in das Camp IV zurückkehren.

Camp IV ist wohl der berühmteste Campingplatz der Welt. Hier, mitten im Yosemite Valley, dass sich in einem der schönsten Nationalparks der USA befindet, trifft sich die Kletterszene der Welt. Leute, von denen man sonst nur in Zeitschriften und Büchern liest, kann man hier hautnah erleben. Jim Bridwell, Lynn Hill, Heinz Zack, die Huberbuam...., um nur einige zu nennen.

             Red line:   " THE NOSE"

VI 5.9 C2

 Die Bilder werden durch Anklicken vergrößert!
   

Wir sind beide etwas aufgeregt. Alles ist vorbereitet. Gestern sind wir die ersten 4 Seillängen der Nose geklettert und haben bis zum Sickleledge ca 200 Meter Fixseile montiert. Anschließend haben wir noch den Haulbag mit 23 Liter Wasser und Essen für 4 Tage auf das Sickleledge gezogen. Wir müssen daher die ersten 200m bis dorthin jümarn, dafür werden wir eine gute halbe Stunde brauchen.

Jümarn bedeutet nichts anderes, als dass man mit rückwärts blockierenden Steigklemmen an einem fix montierten Seil hochsteigt. Wir werden danach so richtig gut aufgewärmt sein für die folgende Kletterei bis zum Dolt Tower - dem heutigen Tagesziel. Wir haben eine 4 Tage Strategie überlegt. Der Grund dafür ist, dass ich alles im Vorstieg klettern muß und ich mich nicht verausgaben wollte. Martina wird mir beim Haulen helfen, (so heißt das Hochziehen das Schleifsackes bzw Haulbages) was meine Kräfte natürlich sehr schont, man braucht dafür aber mehr Zeit.

Am zweiten Tag sollten wir dann bis in das Camp IV kommen. Ja, der Biwakplatz hat tatsächlich den selben Namen wie unser Campingplatz. Am dritten Tag müssen wir Camp VI erreichen, wenn wir am vierten Tag am Gipfel stehen wollen. Dann noch eine Nacht am Gipfel und wenn alles planmäßig verläuft, sollten wir nach 4 Nächten wieder in unserem Zelt schlafen.

Der Abstieg vom El Capitan ist auch nicht zu unterschätzen, weil man dazu einige Passagen abseilen muß. Der Gipfel ist nur die halbe Tour, erst wenn man wieder herunten ist, hat man den Berg bezwungen, das ist zumindest meine Ansicht und sollte sich später auch bewahrheiten.

                 Pitch 1                               Pitch 4 to Sickle Ledge



Der erste große Pendelschwung zum Stovelegriss muß nun bewältigt werden. Auch der Nachsteiger wird hier bereits zum ersten Mal so richtig gefordert. Um mit den Jümar's Quergänge zu bewältigen, bedarf es einer ausgefeilten Technik. Außerdem muß der Haulbag schonend nachgezogen werden, damit der Inhalt nicht beschädigt wird. Die Spannung steigt, die Wand ist bereits sehr ausgesetzt und steil. 
                                               

                                                          Pitch 6  to  Stoveleg Crack
                                                            
 

Die Seillängen bis zum Dolt Tower heißen Stoveleg Cracks. Dies deshalb, weil der Erstbegeher Warren Harding im Jahre 1953 abgesägte Ofenbeine in den Riss geschlagen hat, um sich daran zu sichern. Diese Ofenbeinrisse haben schon viele Spitzenkletterer zum Rückzug gezwungen. Sie sind die erste große Hürde, die überwunden werden muß. Ich selber musste hier vor 5 Jahren mit zwei Freunden den Rückzug antreten. Nun war ich wieder an derselben Stelle angelangt, diesmal mit Martina.  Erreichen kann man dieses Risssystem übrigens nur, nachdem man vorher einen riesigen Pendelquergang nach rechts absolviert hat.
 

 
            Pitch 8 Stoveleg Crack           Pitch onto Stoveleg Crack
   
       Peter leading Stoveleg Crack                          El Cap - Meadow                                Pitch 10 Stoveleg Crack

Bis jetzt läuft alles sehr gut. Es ist bereits 12.00 Uhr Mittags und wir haben die Hälfte der gefürchteten Risse hinter uns. Es ist sehr heiß und der Wind wird immer stärker. In so einer 1000 Meter hohen Granitwand entstehen oft gewaltige und sehr stürmische Aufwinde. Sie können einem das Leben zur Hölle machen. Es ist sehr wichtig, die Seile am Stand immer ordentlich zu verstauen, ansonsten weht der Wind sie in das Risssystem, was unweigerlich dazu führen würde, dass sie sich darin verhängen. Der Sturm reißt so gewaltig an den Seilen, dass ich sehr starke Kräfte am Gurt verspüre. Das Haulbagseil, mit dem wir unseren Schleifsack mit Wasser nachziehen, habe ich eigens am Gurt befestigt. Die Materialschlaufen allein würden dieser Belastung nicht mehr standhalten, so mächtig stark reißt der Wind an dem frei hängenden Haulbagseil. Wir kämpfen uns Seillänge um Seillänge höher und kommen dadurch unserem Tagesziel näher.

Es ist jetzt 3 Uhr am Nachmittag. Wir stehen nun mit unserem Haulbag  am Dolt Tower. Martina hat Großartiges geleistet und unser Essen und Trinken, immerhin 34 Kilogramm, bis hier herauf nachgezogen. Auch das „Cleanen" ,dh das Entfernen der von mir gelegten Zwischensicherungen ist ihr ohne Probleme gelungen. Das Tagesziel ist somit erreicht, locker könnten wir noch die nächsten Seillängen für morgen vorbereiten. Doch wir kommen überein, dass wir uns ausruhen und bis zum Dunkelwerden auf die Wiesen hinabschauen und die herrliche Aussicht genießen. Der Dolt Tower bietet den angenehmsten Schlafplatz der ganzen Tour. Es ist ein annähernd flacher Platz mitten in der großen Wand. Wir kochen eine Suppe ohne Einlage und essen unsere Tagesration. Nicht gerade viel:  2,5 Toastbrotscheiben (es gibt kein ordentliches Brot in Amerika) etwas Wurst und Käse, 2 Kekse, ein Stück Schoko und einen Apfel. Jeden Tag wird es dasselbe Menü geben, ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass unser Körper mit so wenig Essen  4 Tage auskommen soll, noch dazu bei diesen Anstrengungen.

  Martina following to Dolt Tower

1.  Bivy
on
Dolt Tower

Plötzlich werde ich mitten in der Nacht wach, ich hatte einen fürchterlichen Albtraum. Ich träumte, dass jemand auf uns herabgestürzt war. Es war furchtbar und ich muß an den deutschen Kletterer Reinhard Karl denken, der in seinem Buch davon geschrieben hat, dass auch er bei seinen Big Walls (so wird das beklettern von großen Wänden über mehrere Tage genannt) von solchen Albträumen geplagt wurde. Es ist mir etwas unheimlich, ich habe offenbar ähnliche Träume wie Reinhard Karl.

Am Morgen kochen wir Tee und bereiten uns auf unseren zweiten Klettertag in dieser gigantischen Wand vor. Es sollte der längste und anstrengendste Tag werden. Klettertechnisch weniger schwierig, jedoch aufgrund der vielen Quergänge ein Problem mit dem Haulbag. Noch hat der Sack kaum an Gewicht verloren und ist annähernd gleich schwer wie am ersten Tag.  So mühen wir uns den ganzen Tag durch diese Gesteinswüste. Riesige Verschneidungen die an Hochhäuser erinnern, Dächer und Überhänge scheinen oft den Weg nach oben zu versperren. Der Wind ist weniger stark wie gestern, dafür brennt uns die Sonne jetzt um so mehr auf den Körper. Der Durst ist groß und wir trinken sehr viel. Der Vorteil dabei ist, dass unser Haulbag dadurch am dritten Tag leichter sein wird. Wir erreichen knapp vor dem Dunkelwerden unseren Biwakplatz. Camp IV heißt der nicht unbedingt bequeme Schlafplatz. Ein leicht abfallendes Band bietet kaum Platz für uns zwei. Doch dies ist uns vorerst egal. Wir sind erschöpft, aber froh, dass heute alles gut gegangen ist und wir unser Tagesziel erreicht haben. Ein kurzer Blick nach oben bevor die hereinbrechende Dunkelheit endgültig die Sicht nimmt, lässt uns erahnen, was uns am nächsten Tag bevorstehen wird. Wir sehen erstmals das „Great Roof"  ganz nah. Es ist ein riesiges Dach, welches sich über uns neigt. Wir essen und kochen wieder eine Suppe. Danach schlummern wir einmal sitzend, dann wieder liegend dem nächsten Tag entgegen. Immer wieder rutscht einer von uns im Schlaf bis an den Abgrund vor, unsere Selbstsicherung verhindert jedoch den Absturz.


Peter sortiert das Material und bereitet den Biwakplatz für die kommende Nacht in der Wand vor.


 

Pitch above Dolt Tower Martina jümaring to Camp IV 650m  over  ground !
 
Climberfotograph Tom Evans fotografierte uns mit einem Riesenteleobjektiv von der El Cap Meadow bei unserer Begehung.
Martina on belay Stoveleg Cracks Peter climbing Stoveleg Cracks Peter hauling onto Stoveleg Cracks Martina jümaring Stoveleg Cracks
2. Bivi on Camp IV Small slopy ledge Breakfast in the wall

Der dritte Tag bricht an und wir sind voller Zuversicht. Heute wird es interessant und spannend, das wissen wir. Beim Frühstück besprechen wir Vorgangsweise und Taktik für die ersten beiden Seillängen des Tages, mehr können wir von hier aus nicht einsehen. Wir müssen noch einmal unseren Haulbag nach rechts traversieren, bevor es dann endgültig nur mehr senkrecht, überhängend und steil nach oben geht. Das Great Roof ist gigantisch und der Standplatz am Ende der Seillänge sehr ausgesetzt. Es wird dort ungemütlich kalt, weil die Sonne hier heroben in diesen Felsschluchten fast bis Mittag auf sich warten lässt. Wir kommen gut voran. Das Haulen geht von nun an leichter. Der Sack liegt auch nicht mehr ständig am Felsen auf, sodass die Reibung wegfällt. Martina vollbringt beim Cleanen des Great Roof' s eine Meisterleistung, die mich in Staunen versetzt. Sie ist gut drauf und man merkt ihr nicht an, dass sie bereits den dritten Tag in der Wand ist.                                                              Peter climbing to Great Roof

Für mich geht es nun wieder weiter. Pancakeflake heißt die Seillänge nach dem Great Roof und ist meiner Meinung nach eine der schönsten Kletterstellen! Leider kann ich mit so einer geringen Nahrungsmittelzufuhr und den enormen Gewicht diese Stellen nicht frei klettern. Wäre diese Seillänge knapp über dem Boden, irgendwo unten im Tal, so würde sie wahrscheinlich eine der beliebtesten Freikletterrouten sein. Dann noch eine Länge bis zum Camp V. Endlich gewinnen wir rascher an Höhe, weil es hier heroben keine Quergänge mehr gibt. Wir hängen den ganzen Tag im Gurt. Es ist nur noch steil und überhängend. Faszinierend, gigantisch, wuchtig und umwerfend. Am Camp V macht sich langsam das Gefühl in uns breit, dass wir es doch tatsächlich schaffen könnten.

Martina at Great Roof

 
 
Belay after Great Roof Peter on Pitch 23 Pancakeflake Pitch 24 to Camp V
Peter leading to Camp IV Peter & Martina on Pancake Flake Belay after Pancake Flake
                                                       

Der Ausstieg naht, und nur noch ein Tag in der Wand steht uns bevor. Beim Blick nach oben sehen wir allerdings nur riesige Felsmassive und ein Riesendach ganz oben scheint den Ausstieg zu versperren. Der Fels sieht aus, als ob ein Riese mit seiner Axt diesen einfach abgehackt hätte. Ich versuche die Wand hinunterzupinkeln, was fatal endet. Der Aufwind wäscht mir das Gesicht. Auch egal, am dritten Tag stinkt man sowieso schon so elendig, dass man es selber schon gar nicht mehr riecht. Wir starten Richtung Camp VI. Unser nächster Biwakplatz und zugleich auch unser letzter in dieser Wand. Noch zwei Seillängen müssen wir heute machen, dann haben wir es wieder einmal geschafft. Doch dazu muß ich einen ganz feinen Riss ca 20 Meter emporklettern, dann zwei Meter nach rechts queren, bevor ich nach wiederum 20 Metern den vorletzten Standplatz des Tages erreiche. Glowering Spot nennt sich diese Stelle und ich gebe Martina das Zeichen für das  Nachkommen.

  Peter climbing Pitch 26 to Camp VI

Zuerst löst sie den Haulbag aus der Verankerung, dann jümart sie nach. Ich habe in dieser Länge sehr viele kleine Keile legen müssen, doch Martina ist so routiniert und kein Keil kann ihr widerstehen. Es macht Spaß, ihr beim Cleanen zuzusehen und es ist für mich eine Erleichterung, dass es ihr so einfach von der Hand geht.  Wir schaffen dann auch noch die letzten 60 Meter aufs Camp VI ohne Probleme. Tagesziel wieder erreicht, kann man nur sagen!

Morgen ist der letzte und alles entscheidende Tag!
                                                           


 
    Looking down to Glowering Spot

                   "Big Wall hands"

Gleich die erste Seillänge über dem Camp VI ist die technisch schwierigste der ganzen Tour. Die Schlüsselstelle oder die „Crux", wie die Amerikaner zu sagen pflegen. „Changing Corner" nennt man diese Passage und wir sind heute schon etwas aufgeregt. Noch nie zuvor habe ich ein so scharfes Eck gesehen, das sich über eine Länge von 20 Metern senkrecht bis überhängend empor streckt.  Ein Maurer würde ein Hauseck nicht besser hinbekommen,  und noch nie bin ich einen so schweren und feinen Riss, der sich hinter dem Eck befindet, geklettert. Der nächste Tag wird spannend werden!  Wir machen es uns gemütlich.
Das 3. Biwak (links) bietet uns wieder etwas angenehmer Platz. Es sieht aus wie ein kleines gleichschenkeliges Dreieck, mit einer Schenkellänge von nicht ganz zwei Metern. Ober uns ragt die Changing Corner Seillänge aus der Wand heraus und noch weiter oben sehen wir wieder nur Überhänge und Überhänge. Wir sind umgeben von riesigen Felsmassen, eingeschlossen und eingebetet an einem der gewaltigsten Monolithen der ganzen Welt. Es ist einfach unglaublich, unbeschreiblich und unfassbar! Unter uns wird das Tal immer kleiner, die Autos kaum mehr sichtbar und der Merced River schlängelt sich wie eine   Schlange durch das Valley.


               3. Bivy on Camp VI


Wir essen unsere Tagesration und bauen uns eine kleine Toilette. Fäkalien muß man mitnehmen und darf man nicht einfach in der Wand belassen oder gar hinunterwerfen. Wir verpacken alles luftdicht und verstauen den Abfall im Haulbag.  Wir genießen den Abend und Martina schreibt wie jeden Tag das Erlebte in ihr Tagebuch. So besprechen wir auch gleichzeitig den Tag nach und begutachten das Topo für morgen.


Der Mond ist im Zunehmen
und leuchtet uns noch ein wenig, bevor er hinter den Felsen verschwindet. Ganz weit draußen am Horizont erkennen wir eine Stadt und sehr viele kleine Lichter leuchten uns entgegen. Es ist wunderschön und sehr ruhig. Geprägt von den Strapazen des Tages und von den vielen Eindrücken schlafen wir ein.       

Endlich ist es soweit, ich stehe vor der Schlüsselstelle. So viel habe ich schon von dieser Stelle gehört und gelesen. Stundenlang habe ich versucht, mir diese Situation vorzustellen, habe mich hineingedacht in die zu erwartenden Schwierigkeiten, habe mich mental auf diese 20 Meter vorbereitet. Nun ist es soweit, endlich sehe ich, wie es hier in Wirklichkeit aussieht. Ein kurzer Quergang zu einem scharfen Eck. Hinter dem Eck ein feiner Riss. Sorgfältig lege ich einen Keil um den anderen in den Riss. Die Minikeile halten nur das Körpergewicht und nur auf Zug nach unten.

Nach mehreren Metern kann ich wieder eine ordentliche Zwischensicherung setzen und die große Sturzgefahr ist von nun an gebannt. Noch 10 Meter bis zum Stand und ich habe es geschafft. Ich schreie vor Freunde in den Himmel! Auch bei Martina fällt die Spannung plötzlich ab. Die letzten 20 Meter braucht sie nicht zu cleanen, weil ich jeden Keil nach der Belastung wieder aus dem Riss herausgenommen habe.

Wir kommen dem Gipfel näher, das spüren wir!

 


       Changing Corner

Doch wir müssen immer noch mit der Schwerkraft kämpfen, Dächer und Überhänge überwinden, die es durchaus mit dem Great Roof aufnehmen können. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass hier heroben viel schwierigere Passagen sind, als es das Great Roof war. Bald ist der vorletzte Standplatz erreicht. Noch eine Seillänge bis unter den mächtigsten Überhang der ganzen Tour.  Mir schmerzen meine schmutzigen Finger schon so gewaltig, dass ich kaum mehr imstande bin, das Seil hoch zu ziehen. Die kleinste Reibung an den Fingerspitzen brennt wie Feuer. Doch jetzt heißt es durchbeißen! Noch ein 20 Meter langer Riss bis zum letzten Standplatz. Dort müssen Martina und ich unsere Köpfe gewaltig nach hinten überstrecken, damit wir den Überhang vollständig erblicken können. Ich schätze, dass dieser mindestens 10 Meter hinausragt. Die Schwierigkeit ist hier nicht deren Überwindung, sondern die große Ausgesetztheit, die einem kurz die Luft anhalten lässt. Während ich den Überhang hinausklettere, blicke ich dauernd zwischen meinen Füßen 1000 Meter bis zum Wandfuß hinunter, dort, von wo wir vor 4 Tagen mit dem Klettern begonnen haben.

Last Pitch Last Pitch for Hauli too ! Last belay on El Cap  tree

Gewaltige und unbeschreibliche Gefühle durchfahren meinen Körper. Noch eine letzte Freikletterstelle und ich erreiche den wirklich allerletzten Standplatz am Gipfelplateau. „Stand" rufe ich zu Martina. Sie hat nun das Vergnügen, unseren Haulbag hinaus in die Lüfte gleiten zu lassen. Martina ist unsicher und kontrolliert vorsichtshalber noch einmal alle Karabiner, bevor sie ihn auslässt. Eine kurze Rückfrage noch bei mir, ob denn diese Vorgangsweise „eh ok ist", weil der Haulbag dann so weit draußen hänge. Ich bestätige und Martina lässt den Haulbag sausen, dass ihr fast das Herz in die Hose rutscht. Sie macht sich mehr Sorgen um unseren Schleifsack als um sich selber. Bange und einsame Minuten warte ich nun auf Martina.
Ich traue mich nicht nachfragen, wie es ihr beim Nachjümarn im gewaltigen Überhang geht und es ist mir unmöglich, sie zu sehen.  Auch unser Haulbag will mir hier am Gipfelplateau noch keine Gesellschaft leisten. Er hat sich beim Hochziehen an der Dachkante verhängt und wartet dort auf seine Befreiung durch Martina. Plötzlich taucht ein weißer Helm auf. Martina kommt und ich ziehe mit ihr gleichzeitig unseren in der Zwischenzeit lieb gewonnenen Haulbag hoch. Alle vereint sitzen wir nun am Ausstieg und lassen unseren Emotionen freien Lauf.

Wir haben uns unseren Traum erfüllt, es ist unfassbar und einfach unglaublich! Nach 31 Seillängen stehen wir ganz oben!

Wir legen unsere Klettergurte ab und tragen zum ersten Mal seit 4 Tagen keinen Gurt mehr um die Hüften, was ein sehr befreiendes Gefühl ist. Fast nackt kommen wir uns nun vor. Wie losgelassenen Hunde springen wir hin und her, wir sind frei! Ein tolles Gefühl! Wir suchen einen Schlafplatz und machen ein Lagerfeuer, essen die letzten Reste zusammen und genießen den Sonnenuntergang. Lange bis in die Nacht hinein diskutieren wir noch über unsere geschaffte Tour, besprechen die einzelnen Stellen nach und Martina schreibt alles in ihr Tagebuch.

4. Bivy on summit  
Martina & Peter    ON TOP !! Descent with heavy Haul Bag "togethermove"

Am nächsten Morgen steigen wir ab. Ein halber Tagesmarsch steht uns bevor. Wir sind sehr geschwächt, weil für das Frühstück nur mehr ein Stück Schokolade übrig geblieben ist. Gegenseitig unterstützen wir uns beim Tragen unserer Ausrüstung und versuchen noch einmal, uns voll auf den nicht ungefährlichen Abstieg zu konzentrieren. Schließlich schaffen wir es dann doch, heil hinunter zu kommen. Wir nehmen unsere Campingsessel aus dem Auto und genehmigen uns ein kühles Bier, Chips und Schoko, - wir haben es uns verdient!

El Capitan westface   Our trip is finished now!

Nose Impressionen
     
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